DERMATOLOGISCHES CONSILIUM

Die Haut im Alter

Wie alle Organe des Körpers ist auch die Haut von altersbedingten Veränderungen betroffen. Zu den Folgen der natürlichen Hautalterung kommen Schäden durch Umwelteinflüsse, in erster Linie der ultravioletten Strahlung des Sonnenlichtes, die sich im Lauf des Lebens kumulativ ansammeln. Auch die ubiquitären elektromagnetischen Felder (der sogenannte Elektrosmog) hat Auswirkungen auf die Haut, die allerdings noch nicht ausreichend erforscht sind.
Falten, Verfärbungen, Verlust der Elastizität und die erhöhte Neigung zur Entstehung von Hautkrebs sind typische Zeichen der Altershaut.

Physiologie der Altershaut

Durch Atrophisierung (Verdünnung) von Epidermis und Dermis verliert die Haut im Alter an Widerstandskraft gegen mechanische und chemische Belastung, nach Traumen kommt es daher leichter zum Auftreten von Blasen und Erosionen.

Die Barrierefunktion der Hornschicht ist meist herabgesetzt, wodurch die Entstehung von Ekzemen begünstigt und deren Abheilung verzögert wird.
Durch Umbauvorgänge an den kollagenen und elastischen Fasern des dermalen Bindegewebes verschlechtern sich die mechanischen Eigenschaften der Haut, vor allem die Elastizität und die Reißfestigkeit. Die Wundheilung ist deutlich verzögert. Durch eine Verminderung der Blutgefäße in der Dermis erscheint die Haut oft blass. Die Wandstarre der dermalen Blutgefäße äußert sich in Form von Teleangiektasien und der sogenannten Purpura senilis (spontan oder nach Bagatelltraumen auftretende Hautblutungen).
Verminderte Durchblutung gemeinsam mit einer Rückbildung des subkutanen Fettgewebes führen zu einer eingeschränkten Temperaturregulation.

Auch Haare, Nägel, Schweiß- und Talgdrüsen sind von altersbedingten Veränderungen betroffen. Bei nahezu jedem Menschen kommt es im Alter zu Pigmentverlust der Haare, bei der Hälfte aller 60jährigen beträgt der Anteil der weißen Haare bereits mehr als 50 % der gesamten Körperbehaarung.

Es kommt bei beiden Geschlechtern am gesamten Körper zu einer Verminderung der Haarfollikel, vermutlich als Folge von Fibrose und Atrophie des Bindegewebes.
Die männliche Glatze entsteht nicht durch Verlust von Haarfollikeln, sondern durch Umwandlung von dicken Terminalhaaren zu dünnen, hellen Flaumhaaren. Dieser Vorgang steht unter dem Einfluss von Androgenen und beginnt immer an den bekannten Prädilektionsstellen an Stirne und Hinterhaupt. Zahlreiche systemische und topische Substanzen, die dieses sogenannte androgenetische Effluvium verhindern oder gar umkehren sollen, stehen therapeutisch zur Verfügung.

Von einer altersbedingten Reduktion und Verminderung der Syntheseleistung betroffen sind auch die ekkrinen Schweißdrüsen, wodurch die Temperaturregulation zusätzlich erschwert wird. Auch die Produktion der Talgdrüsen reduziert sich (um ungefähr 3% pro Lebensjahrzehnt). Die Bedeutung dieser Funktionseinschränkung – die häufig irrtümlich für die Hauttrockenheit verantwortlich gemacht wird – ist jedoch weitgehend unbekannt, da die Funktion der Talgdrüsen hauptsächlich in der Einfettung des Haarschaftes liegt.

Eine wichtige endokrine Funktion der Haut ist die UV-abhängige Synthese von Vitamin D3 aus 7-Dehydrocholesterol.
Durch einseitige Ernährung, durch Mangel an Aufenthalt im Freien (bei Immobilität, in Pflegeheimen) und durch Verminderung des Provitamins 7-Dehydrocholesterol in der Haut kommt es im Alter häufig zu Verminderung der Vitamin-D-Spiegel. Supplementierung und/oder regelmäßiger Aufenthalt im Tageslicht können den Vitamin-D-Mangel, der mit einer zunehmenden Zahl von Erkrankungen und Symptomen in Zusammenhang gebracht wird, beheben.

Einfluss von ultravioletter Strahlung und Elektrosmog

Die oben beschriebenen Veränderungen sind vom Lebensalter und möglicherweise von genetischen Faktoren bestimmt, aber weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen. Man bezeichnet diese Alterungsvorgänge der Haut daher als intrinsische Alterung („intrinsic aging“). In Gegensatz dazu stellt man Veränderungen, die durch den chronischen Einfluss ultravioletter Strahlung entstehen (extrinsische Hautalterung, „Photoaging“). Unter ultravioletter Strahlung versteht man

kurzwellige elektromagnetische Strahlung, ähnlich dem Licht, allerdings in einem für das menschliche Auge unsichtbaren Bereich. Außer ultravioletter Strahlung aus dem Sonnenlicht ist der moderne Mensch einer großen Zahl anderer, künstlicher elektromagnetischer Felder (sog. Elektrosmog) ausgesetzt. Über den Beitrag von Elektrosmog zur extrinischen Hautalterung gibt es keine ausreichenden Untersuchungen, eine Auswirkung auf die unterschiedlichen Funktionen der Haut kann aber mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Bei der extrinsichen Hautalterung handelt es sich eigentlich nicht um einen Alterungsprozess, sondern um Hautschäden durch chronische Einwirkung ultravioletter Strahlung der Sonne oder künstlicher Strahlenquellen (Solarien, UV-Therapie). Photoaging findet man ausschließlich an exponierten Stellen (Gesicht, Nacken, Arme, Handrücken). Dort überlagert es sich mit den natürlichen Alterungserscheinungen.

Die sichtbaren Hautveränderungen des Photoagings werden kosmetisch wesentlich störender empfunden als die intrinsische Hautalterung, von der sie morphologisch und biochemisch gut unterschieden werden kann. Pigmentverschiebungen, tiefe

Falten, Elastose (im Nacken als sogenannte Cutis rhomboidalis nuchae, im Gesicht als Favre-Racouchot-Syndrom) sind typische Manifestationen des chronischen Schadens. Medizinisch wichtiger als die kosmetische Beeinträchtigung ist die Tatsache, dass auf geschädigter Haut ein wesentlich erhöhtes Risiko für die Entstehung von aktinischen Keratosen, Plattenepithelkarzinomen, Basalzellkarzinomen und bestimmten Formen des Melanoms besteht (Photokarzinogese)!

Konsequenter Schutz ist die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von extrinsicher Hautalterung. Wenn Expositionsvermeidung (Kleidung, Aufenthalt im Schatten) nicht möglich ist, ist die Anwendung von Schutzmitteln zu empfehlen. Es konnte gezeigt werden, dass sich bei regelmäßiger Anwendung von Sonnenschutzmitteln die histologischen und klinischen Veränderungen des Photoaging teilweise zurückbilden können.

Schutz ist die Basis jeder kosmetischen Behandlung und leistet auch noch bei Anwendung im Alter einen grundlegenden Beitrag zu einem strahlenden Aussehen.